Modularer Aufbau
Der wichtigste Gedanke vorab: Odoo ist modular aufgebaut. Wenn du das System öffnest, siehst du sofort, dass es in sogenannte Apps bzw. Module unterteilt ist – beide Begriffe meinen dasselbe. Jede App repräsentiert einen eigenen Funktionsbereich, z. B. Kontakte, Verkauf, Einkauf, Lager oder Buchhaltung.
Der entscheidende Vorteil: Du musst nicht alles auf einmal einführen. Starte mit zwei oder drei Modulen und erweitere das System schrittweise, genau dann, wenn dein Unternehmen es braucht. Genau das macht Odoo so flexibel und gleichzeitig hervorragend skalierbar.
Der interne App Store
Apps lassen sich denkbar einfach installieren. Odoo verfügt über einen integrierten App Store – direkt im Menü unter „Apps" erreichbar. Dort findest du eine umfangreiche Auswahl an verfügbaren Modulen. Allein in der Standardansicht werden über 76 Apps angezeigt.
Zusätzlich gibt es einen externen Marketplace unter apps.odoo.com/apps, auf dem du aus einer noch größeren Auswahl an Erweiterungen wählen kannst – teils kostenlos, teils kostenpflichtig.
Die Startansicht erinnert bewusst an den Homescreen eines Smartphones: Du sollst dich schnell orientieren und intuitiv navigieren können.
Nach der Installation eines Moduls ist dieses sofort in die Datenbank integriert, hat Zugriff auf alle vorhandenen Daten und ist mit allen anderen Apps direkt verbunden – ohne manuelle Verknüpfung. Natürlich erfordert jede neue App eine gewisse Grundkonfiguration. Diese findest du in jeder App unter dem Menüpunkt Konfiguration, wo du sowohl globale als auch modulspezifische Einstellungen vornehmen kannst.
Das Kontakte-Modul
Als Einstieg eignet sich das Modul Kontakte besonders gut – es ist universell verständlich und in jedem Unternehmen relevant. Ein kleiner Tipp: Wenn du ein Modul nicht sofort in der Übersicht findest, tippe einfach den Namen ein – die globale Suche bringt dich sofort dorthin.
Das Kontakte-Modul ist im Kern das zentrale Adressbuch von Odoo. Kunden, Lieferanten und Mitarbeiteradressen sind hier gebündelt. Andere Module greifen direkt darauf zu, sodass du Daten nur einmal pflegst.
Du kannst zwischen verschiedenen Ansichten wechseln – oben rechts findest du typischerweise die Kachelansicht und die Listenansicht. Bei Kontakten gibt es zusätzlich eine Kartenansicht, mit der du deine Kunden geografisch auf einer Landkarte anzeigen kannst.
Die multifunktionale Suchleiste
Ein echtes Highlight in Odoo ist die Suchleiste – sie kombiniert drei Funktionen in einem Feld:
- Suche – nach Name, Firma, E-Mail und weiteren Feldern
- Filter – nach beliebigen Feldern und Kriterien, inklusive tieferer Datenbankebenen
- Gruppierung – für spontane Auswertungen, z. B. alle Kontakte nach Land oder Vertriebsmitarbeiter gruppiert
Diese Kombinationsmöglichkeiten sind im Alltag extrem leistungsstark. Du kannst dir Listen und Auswertungen selbst zusammenstellen – ohne Entwickler, ohne aufwendige Reporting-Projekte. Einmal verstanden, nutzt du dieses Prinzip in allen Modulen gleich. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Schulungsaufwand: Mitarbeiter, die das Konzept einmal gelernt haben, finden sich in jedem Bereich sofort zurecht.
Gespeicherte Filter lassen sich als Favoriten ablegen – entweder nur für dich persönlich oder für das gesamte Team.
Vom Angebot zum Auftrag
Im Verkaufsmodul siehst du denselben vertrauten Aufbau: Suchleiste, Filter, Gruppierfunktion und Ansichtswechsel – überall identisch.
Der Kernprozess im Verkauf geht in wenigen Klicks:
- Klicke auf Neu, um ein Angebot zu erstellen
- Wähle einen bestehenden Kunden aus oder lege direkt einen neuen an
- Preisliste und Zahlungsbedingungen werden automatisch aus dem Kundenstamm übernommen, lassen sich aber für den jeweiligen Vorgang anpassen
- Füge Produkte hinzu – Odoo zeigt dir sofort per Farbsymbol an, ob ein Artikel verfügbar (grün) oder nicht auf Lager (rot) ist
- Nutze Angebotsvorlagen, um wiederkehrende Positionen nicht jedes Mal neu zusammenstellen zu müssen – ein echter Zeitgewinn
- Versende das Angebot direkt per E-Mail inkl. automatisch generiertem PDF – vorgefertigte Texte und Vorlagen stehen zur Verfügung
- Sobald der Kunde bestätigt, klickst du auf Bestätigen – das Angebot wird sofort zum Verkaufsauftrag
Der farblich hervorgehobene Button zeigt dir immer die nächste logische Aktion an – das gilt in allen Apps gleichermaßen.
Im sogenannten Chatter (rechte Seite) wird lückenlos protokolliert, was wann von wem geändert wurde. Dort kannst du auch interne Notizen hinterlegen, z. B. Lieferhinweise für dein Team.
Nach der Auftragsbestätigung kannst du je nach Prozess die Lieferung anstoßen oder direkt eine Rechnung erstellen und versenden.
Schrittweise Komplexität
Odoo startet im Standard bewusst reduziert, damit Nutzer nicht von Optionen überwältigt werden. Rabatte, Preislisten oder abweichende Liefer- und Rechnungsadressen sind beispielsweise zunächst deaktiviert – lassen sich aber mit wenigen Klicks in den Einstellungen freischalten.
Für technisch versierte Nutzer gibt es außerdem den Entwicklermodus, erreichbar über: Einstellungen → ganz nach unten scrollen → Entwicklermodus aktivieren. Dort werden zusätzliche technische Informationen und Menüpunkte sichtbar. Achtung: Hier lässt sich auch einiges unbeabsichtigt beschädigen, wenn man nicht genau weiß, was man tut.
Offene Schnittstellen
Odoo ist ein offenes System. Über die REST-API hast du Zugriff auf ausnahmslos alle Daten in der Datenbank – Kundendaten, Angebote, Rechnungen und mehr. Das unterscheidet Odoo von vielen anderen Softwarelösungen, die nur einen eingeschränkten API-Zugriff bieten.
Daten lassen sich sowohl in Odoo importieren als auch exportieren – direkt über die API, Connectoren wie Mavabit oder über Automatisierungsplattformen wie Make, Zapier oder n8n . Du bist also nicht in einem geschlossenen System eingesperrt, sondern kannst Odoo nahtlos in deine bestehende Tool-Landschaft integrieren.
Quellen:
-
Odoo Tutorial 2026: Die Grundlagen, die du wirklich brauchst (Einsteiger)“
https://www.youtube.com/watch?v=Iox2azTs6ls -
Odoo Homepage
https://www.odoo.com/de_DE